Kroatisches Robotaxi-Projekt auf dem Prüfstand

1.9.2026

Bis zum 31. August 2026 sollte das vom kroatischen Unternehmer Mate Rimac initiierte Projekt selbstfahrende Taxis der Autonomiestufe 5 liefern. Wovor Skeptiker*innen seit Beginn gewarnt hatten, scheint sich nun zu bestätigen: Eine marktreife Flotte vollständig autonomer Fahrzeuge ist nicht absehbar. Für das Projekt waren ursprünglich 179,5 Millionen Euro an EU-Mitteln vorgesehen, bislang wurden 89,7 Millionen Euro aus dem Nationalen Aufbau- und Resilienzplan ausgezahlt. Nun muss das zur Rimac-Gruppe gehörende Unternehmen Verne innerhalb von 30 Tagen einen finalen Prüfungsbericht über Aktivitäten, Kosten und erzielte Ergebnisse vorlegen. Auf dieser Grundlage soll entschieden werden, welche Ausgaben akzeptiert werden und ob Mittel zurückzuzahlen sind. Nach tagelanger Funkstille meldete sich Verne am 1. September 2026 zu Wort und erklärte, ein Teil der Ziele sei bereits geprüft worden, darunter Prototypen, Tests und regulatorische Voraussetzungen. Entscheidend bleiben jedoch jene Punkte, die den ursprünglichen Anspruch des Projekts ausmachen: vollständig autonome Fahrzeuge der Stufe 5, spezialisierte Infrastruktur und Angebote für Menschen mit Behinderungen. Genau hier liegt der politische Kern des Falls. Das Vorhaben galt lange als Prestigeprojekt, sichtbar unterstützt durch Besuche von Premierminister Andrej Plenković (HDZ – Kroatische Demokratische Gemeinschaft) und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Sollte die Evaluierung größere Lücken feststellen, geht es daher nicht nur um die Rückzahlung von Fördermitteln, sondern auch um die Frage, wie realistisch das Projekt von Beginn an bewertet wurde. Das Robotaxi-Projekt könnte sich damit als politischer Bumerang erweisen – sowohl auf nationaler Ebene als auch innerhalb der EU.

Quelle: Net.hr, Zagreb